Budakesser Gemeinschaft Amtliches Gemeindesiegel Budakeszi 1724

                                    

 im Verband der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn e. V.                                                                 

        Die Budakesser Gemeinschaft stellt Ihnen 

           bitte eintreten! - please enter!              sich und ihre Arbeit vor:                 Amtliches Gemeindesiegel 1724

 

1724

                      wir über uns   damals in Budakeszi   heute in Budakeszi

                      Familienforschung   unser Heimatbuch "Budakeszi / Wudigeß"

                      Portraits   Veranstaltungen und mehr   Kontakte   interessante Links

         

 

                     Wenn die Hochzeitsglocken läuten

"Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!", empfiehlt Friedrich Schiller (1759-1805) in seinem Lied von der Glocke. Bei uns ist der Wonnemonat Mai der klassische Heiratsmonat. De Zahl der Eheschließungen und der Geburten ist in Deutschland allerdings auf den tiefsten Stand seit 1945 gesunken, und der Trend zum Geburtendefizit, also zu mehr Sterbefällen als Lebendgeburten, wird sich, wie das die Demographen des Statistischen Bundesamtes befürchten, auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Zeitschriften, Hochzeitsjournale, Brautmessen, die Präsenz im Internet, alle tun ihr Bestes, um den schönsten Tag im Leben unvergessen zu machen. Es gibt das "Hochzeit-Einmal-Eins" für sie und ihn, für die Eltern, die Freunde und Verwandten, um die gesamte Organisation des Festes vom Polterabend über die Gestaltung der Einladungen bis hin zu den Flitterwochen perfekt zu absolvieren. Die Heiratswilligen werden nicht allein gelassen. Die Standesämter bieten auch außer der Reihe Trautermine im festlichen Rahmen mit besonderem Ambiente an. Eine Hochzeit war immer schon ein Ereignis. Auf dem Dorf nahm die ganze Gemeinde Anteil. Maria Bresch geb. Natto schreibt in ihren Erinnerungen: "Zu einem festlichen Höhepunkt zählte in unserem Dorf eine Hochzeit. Dieses Ereignis wurde mit vielen Gästen, Musik und Tanz bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Das Brautpaar und die Eltern setzten sich zusammen, um die Hochzeit zu besprechen. Der Termin wurde festgelegt und die Feierlichkeiten organisiert. Das Aufgebot wurde bestellt. In der Kirche hat die Verkündigung stattgefunden. Zu der bevorstehenden Hochzeit lud das Paar persönlich Verwandte und Bekannte. Die geladenen Gäste haben ihre Teilnahme freudig zugesagt, da sich ein jeder schon auf das Fest freute. Am Tag der Hochzeit versammelten sich die Festgäste bei der Braut. Sie wurden herzlich von ihr und ihren Eltern begrüßt. Der Bräutigam wurde von den Musikanten an seinem Elternhaus abgeholt. Zusammen mit seinen Eltern und den Trauzeugen sind sie bei der Braut eingetroffen. Kurz vor dem Kirchgang wandte sich die Braut an ihre Eltern und sprach Worte des Dankes für all die schönen Jahre, die sie zu Hause verbracht hatte und die Mutter des Bräutigams bat sie, sie in Liebe aufzunehmen. Der Bräutigam bedankte sich besonders bei allen, die mit ihm den freudigen Tag teilten. Das Erlebte war so ergreifend, dass den Eltern und Gästen Tränen der Rührung in den Augen glitzerten. Vor dem Brauthaus haben sich die Gäste aufgestellt. Je länger der Zug, um so reicher war die Braut. Auf die Gäste warteten schon die Kutschen mit den prächtig aufgezäumten Pferden, die die Hochzeitsgesellschaft fuhren. Oft aber ist man den Weg zum Gemeindehaus und zur Kirche lieber gegangen, und nur die älteren Gäste fuhren mit der Kutsche. Zum Auftakt spielten die Musikanten einen flotten Marsch. Das Brautpaar zeigte sich. Die Braut in ihrem schönen Hochzeitsgewand und dem Brautschmuck sah märchenhaft aus. Sie wurde geführt von einem jungen Burschen, dem Brautführer. Der Bräutigam bot der Freundin der Braut den Arm, die ein Kränzchen auf der Stirn trug. Gut gelaunt und fröhlich ging die ganze Hochzeitsgesellschaft in das Gemeindehaus. Nach dem schriftlichen Eheversprechen im Standesamt fand in der Kirche ein Festgottesdienst statt. Gemeindehaus und Kirche standen direkt gegenüber. Unter dem Geläute der Hochzeitsglocken führte der Bräutigam die Braut vor den Traualtar, um sich gegenseitig das kirchliche Jawort fürs gemeinsame Leben zu geben. In der Kirche haben die Gäste Platz genommen. Nach der Tradition die Frauen auf der linken Seite und die Männer auf der rechten Seite der Kirche. Nach dem feierlichen Gelöbnis und dem kirchlichen Segen verließ die Hochzeitsgesellschaft die Kirche. Das glückliche Brautpaar wurde von den Leuten umlagert, um die üblichen Glückwünsche auszusprechen. Immer wieder krachten Böllerschüsse. Die selbstgebastelten Böller bestanden meist aus einem Stück Ofenrohr und wurden mit Karbidpulver gezündet. Unzählige Mitbürger warteten auf der Straße auf den Hochzeitszug. Das war so gang und gäbe, dass an Freud und Leid der Dorfbewohner teilgenommen wurde. Ein guter Zusammenhalt ist eine Tugend gewesen, die die Menschen gegenseitig miteinander verbanden. Eine große Zuschauerzahl und im Blickpunkt des Interesses zu stehen, bereitete den Beteiligten große Freude. Voller Stolz wurden die traditionellen Festtagstrachten getragen. Die Männer im dunklen Anzug, am Revers mit einem kleinen, weißen Schleifchen, den nicht wegzudenkenden Rosmarin. Die Weste zierte eine Taschenuhr mit einer langen, goldenen oder silbernen Kette. Die Frauen kleideten sich elegant, ländlich, graziös in mehrere Röcke übereinander. Die Trachtenstoffe aus Kaschmir, Lister und Satin, in den Farben stahlblau, dunkelviolett und dunkelgrün. Die passenden Jäckchen waren mit Spitzen und Seidenbändern verziert. Die Frauen trugen den Rosmarin mit dem Gebetbuch in der Hand. Den Hals schmückten sie sich mit einer wertvollen Halskette mit Medallion, das ein Madonnenbildnis zeigte. Im Festhaus wurden die ankommenden Hochzeitsgäste erwartungsfroh empfangen. Dann begannen die Vorbereitungen zum Fotografieren. Es wurden Fotos zur Erinnerung für eine ganze Generation gemacht. Anschließend konnten sich die Gäste das herrliche Festmahl schmecken lassen. Das ausgewählte Festmenü begann mit einem Hühnerpaprikasch, dazu als Einlage Spätzle. Die Soße war verfeinert mit saurem Rahm. Es folgten Wiener Schnitzel, Bratenfleisch und danach verschiedene Sorten von Geflügel, wie im Backofen gebackene Enten und Gänse, dazu Salate und Beilagen. Laufend aufgetischt wurden eine ganze Auswahl von Süßigkeiten, Torten und verschiedene Sorten von kleinem Gebäck. Fleißige Frauen, die bereit waren beim Kochen und Backen zu helfen, haben es verstanden, die Köstlichkeiten bestens zuzubereiten. Bis spät in die Nacht wurde für das Wohlergehen der Gäste gesorgt. Speis und Trank gab es auf einer Hochzeit zur Genüge. Zur Unterhaltung gehörte der Hochzeitsbrauch des Ehrentanzes mit der Braut. Jeder Tänzer, der sie zum Tanz aufforderte, spendete einen Geldschein. Auch eine Versteigerung kam den Brautleuten zugute. In einem unbeobachteten Moment wurde der Braut der Brautschuh entwendet. Turbulent ging es bei der Versteigerung zu. Der meistbietende Gast erhielt ihn dann. Die Braut bekam ihren Schuh und das gesamte Geld überreicht. Der Übergeber sagte: "Für einen gesunden Grundstock für die Ehe." Die Braut bedankte sich und versicherte: "Das Geld wird sinnvoll verwendet." Eine Gelegenheit zum Schmunzeln und Lachen gab es beim Kissentanz. Frauen und Männer bildeten einen Kreis. In der Mitte des Kreises stand eine Frau mit einem Kissen in der Hand und tanzte allein nach der Musik. Wenn diese anhielt, bekam der Mann ihrer Zuneigung das Kissen. Es wurde auf den Boden gelegt, gemeinsam knieten die beiden sich darauf. Mit einem Kuss bedankte sich der Auserwählte. Jetzt ging der Mann in den Kreis. Es ging so weiter, bis alle einmal mit dem Kissen in dem Kreis getanzt hatten. Beim abwechslungsreichen Tagesablauf hatten die Gäste Gelegenheit, die mitgebrachten Geschenke für das Brautpaar zu bestaunen. Unter den Geschenken waren oft Plüschdecken. Sie hatten aufgewebte, farbige Blumenmuster, um die Betten und den Tisch zu schmücken, oder es gab Bilder mit christlichen Motiven, Damastwäsche mit gesticktem Monogramm, sehr schöne, handgehäkelte Vorhänge, Lampen und vieles mehr. Ein jedes Stück war von den Gästen liebevoll ausgesucht worden. Das junge Paar hat sich immer sehr gefreut über die Vielzahl der Überraschungen. Es wurden viele heimliche Wünsche erfüllt, um das gemeinsame Heim zu verschönen. Die Gäste begrüßten es, wenn die Patin der Braut den Kopfschmuck um Mitternacht abnahm. Sie bekam ein Kopftuch dafür. Die Patin sprach dazu die Worte: "Nun liebe Braut, ein denkwürdiger Tag ist zu Ende, jetzt nehme ich dir deinen Ehrenkranz weg vom Kopf. Du bist bis gestern eine Braut gewesen, aber heute nicht mehr. Du bist eine Frau und wechselst zu einem anderen Stand." Für die Unterhaltung sorgten die Musikanten. Beschwingt und mit guter Tanzlaune wurden Walzer, Hops, Ländler und schnelle Polka die ganze Nacht begeistert getanzt. Einmal endete auch das schönste Fest. In den Morgenstunden haben die Jungvermählten und die Hochzeitsschar das fröhliche Fest verlassen. Die prachtvolle Feier blieb ein unvergessliches Erlebnis, das meistens bestens gelang, weil bei den tagelangen Vorbereitungen an alles gedacht wurde, um dem Hochzeitspaar und seinen Gästen einen unauslöschlich, glanzvollen Freudentag zu bereiten. Dazu war kein Aufwand und keine Mühe zuviel. In der Fastenzeit hat man nicht geheiratet. Der Bräutigam erst nach seiner Militärzeit. Musste die Braut heiraten, durfte sie sich nicht mehr an dem Brautschmuck erfreuen. Die Paare, die im Herbst geheiratet haben, bekamen von ihren Eltern die Speisekammer aufgefüllt; es gab die Herbstschlachtung. Schinken und Wurst wurden für sie in die Räucherkammer gehängt, dazu gab es viel Geflügel, eingemachtes Obst, Mehl und den jungen Wein."

Die Väter unseres Grundgesetzes haben in Artikel 6 die Ehe und Familie unter besonderen Schutz gestellt. Für die Politiker unserer Tage gilt es, attraktive und familienfreundliche Gesetze mit Perspektiven zu schaffen, damit sich wieder mehr Paare trauen.

 

Rosina Schmalzhaf

                                      

 

                                                                          zurück zur Startseite