Budakesser Gemeinschaft Amtliches Gemeindesiegel Budakeszi 1724

                                    

 im Verband der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn e. V.                                                                 

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1724

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Wein- und Obstanbau in Budakeszi

In vino veritas – im Wein liegt Wahrheit – eine Erkenntnis der alten Römer. In der Heiligen Schrift lesen wir in der Schöpfungsgeschichte über den Weinanbau: „Noah aber, der Ackermann, pflanzte als erster einen Weinberg.“ Im Neuen Testament erhält der Wein seine wichtigste Rolle als Christus beim letzten Abendmahl Brot und den Kelch mit Wein in seinen Händen hielt, dankte und seinen Jüngern mit den Worten: „Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Bundes, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“ zu trinken gab. Als Wein- und Obstbaugemeinde hatte sich Budakeszi einen hervorragenden Namen gemacht. Dazu trugen das besonders günstige Klima mit über 168 Stunden Sonnenschein pro Monat, die sehr fruchtbaren Böden, die rundum von waldbedeckten Bergen geschützte Lage des Ortes und die im Kultivieren und im Pflegen der Reben erfahrenen Weinbauern bei. Die Anfänge des Weinbaus gehen bis in die ersten Siedlungsjahre zurück. Aus ihrer angestammten deutschen Heimat haben unsere Ahnen, laut mündlicher Überlieferung, die Reben mitgebracht. Mit viel Liebe und Sorgfalt legten die Weinbauer ihre Gärten in den Gemarkungen Kalkberg, Sonnenberg, Rehtal, Weichselblöß, Berghut und Hühnerhut an und erweiterten den Weinbau im 18. und 19. Jahrhundert innerhalb und außerhalb der Gemarkungsgrenzen von Budakeszi. Die Pflege eines Weinbergs ist das ganze Jahr hindurch äußerst arbeitsintensiv. Die wichtigste und zeitaufwändigste Arbeit ist der Beschnitt der Reben. Sie werden gestutzt, um das Wachstum zu beschränken und neue Triebe zu schaffen. Die seit dem Reblausbefall auf amerikanischen Unterlagen gepfropften Reben waren abzuwurzeln. Fehlende Stöcke zu ersetzen, die Triebe an die Weinstecken zu binden und der Boden aufzulockern. Regelmäßig fand wohldosiertes und schonendes Spritzen der Reben statt. Einige dieser Arbeiten fielen in die besonders schöne Zeit des Frühjahrs, die Zeit der Blüte, des Wachsens, in der sich jeden Tag das Grün ein wenig intensiver zeigt, in der die Tage wieder länger werden und in der man die Sonnenstrahlen wiederum genießt. Danach ging es im Juni mit dem Ausgeizen und Jäten an die Grünarbeit und das nochmalige Binden. Durch die Pflegearbeiten wurde der Boden ständig neu festgetreten und musste ein zweites Mal aufgelockert werden. Die lange Zeit des Wartens auf den geeigneten Erntetermin verbrachte man mit dem Herrichten des Presshauses und der kleinen Weinstube in der Ecke des Presshauses, dem Spülen der Weinheber, Gläser und Gerätschaften. Während um das richtige Wetter gebangt, auf gesundes Lesegut gewartet und auf viel herbstliche Sonne gehofft wurde, genoss man es, die Früchte der eigenen Arbeit heranreifen zu sehen. Wenn das harmonische Gleichgewicht des Zuckers und der Säure sich gebildet hat, ist der richtige Zeitpunkt der Lese gekommen. Ende des 19. Jahrhunderts kam es im europäischen Weinbau zu dramatischen Verwüstungen, der „Reblauskatastrophe“. Die aus Nordamerika stammende Blattlausverwandte Philoxera wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach Frankreich eingeschleppt und breitete sich rasant von dort über sämtliche europäische Weinbaugebiete aus, man sprach von der „Reblausinvasion“. Dazu vernichtete im Jahre 1887 ein fürchterliches Unwetter mit Hagel nicht nur die Wein-, sondern die gesamte Ernte. Die Weinberge waren durch große Gräben zerfurcht. Die oft auf dem Rücken mühsam hinaufgetragene Muttererde weggeschwemmt. Die Weingärten waren fast völlig vernichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts begann man erneut mit der Anpflanzung von Reben, erreichte aber nie den Stand vor der Verwüstung. Der berühmteste ungarische Wein wurde der Tokajer, den schon der französische Sonnenkönig Ludwig XIV zu schätzen wusste, und der bereits im 13. Jahrhundert wegen seiner wohltuenden Wirkung in Apotheken als Arzneimittel verkauft wurde. Auch die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) erkannte, dass der Wein, maßvoll genossen, den Menschen durch seine große Kraft und Wärme zutiefst heilt und erfreut. In unseren Tagen ist es wieder möglich, guten Wein aus Budakeszi zu trinken. Genießen wir ihn.

 

Rosina Schmalzhaf

 

                                     

                                                      

 

 

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