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„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ Der Geheime Rat Johann
Wolfgang von Goethe beschreibt so im Faust I den herannahenden Frühling und lässt
Heinrich Faust sich bei seinem Ostergang darüber freuen. Goethes bekanntes
Gedicht „Der Osterspaziergang“ gewinnt in diesem Jahr an Aktualität. Die
Sehnsucht nach Sonne und Wärme ist fühlbar geworden. Auch können wir nun
nicht mehr beteuern, dass es gar keine Winter mehr gäbe. Meteorologisch begann
der Frühling ja schon am 1. März, aber da schüttelte Frau Holle noch einmal
tagelang gewaltig ihre Betten aus, so dass dichte Schneeflocken zur Erde
tanzten, und der Winter, besonders in Süddeutschland, massiv zurückkehrte. Auf
den Autobahnen herrschten chaotische Verkehrsverhältnisse, die Autos stauten
sich insgesamt auf mehr als 300 Kilometern Länge, Straßenbahnen, Züge und Flüge
fielen aus und 10.000 Menschen waren zwischenzeitlich ohne Strom. Mehrere
Schulen blieben geschlossen. In den Alpen herrschte große Lawinengefahr. Seit
Ende der 80er Jahre hatten Bayern und Baden-Württemberg nicht mehr soviel
Schnee gesehen. Eine Veränderung der Natur war jedoch trotz der Schneemassen
festzustellen. Wie jedes Jahr waren die Tage länger geworden. Es wurde früher
hell und später dunkel. Seit einigen Jahren kennen wir, vor allem aus dem
Bereich der Wirtschaft, den Begriff der „Warteschleife“, in die wir
geschickt werden. In diesem Jahr zeigt uns die Natur, dass sie dieses Phänomen
ebenfalls beherrscht. Und so warten wir auf das blühende Erwachen von Schneeglöckchen,
Krokussen, Narzissen, Veilchen, Schlüsselblumen und Tulpen. Wir wünschen uns,
dass die Knospen an Bäumen und Sträuchern sprießen, und das erste zarte Grün
sich bildet. Die Hausfrau wartet auf die Zeit, den gründlichen Frühjahrsputz
erledigen zu können, in der Landwirtschaft, im Garten- und im Obstbau ist der
Boden zu bestellen, zu pflanzen und zu säen. Die Zugvögel, die den Winter im Süden verbracht haben, kehren zurück.
Sie bauen ihre Nester, legen und brüten ihre Eier aus und ziehen ihre Jungen
groß. Dank der Hormone, den Endorphinen, erwachen bei uns Menschen die Frühlingsgefühle,
erzeugen gute Laune, Glücksgefühle und versetzen uns in Hochstimmung. Die Älteren,
die unter Rheuma und Gicht leiden, fühlen mit jedem Sonnenstrahl Linderung und
Besserung. Im übertragenen Sinn bezeichnet man mit Frühling
die Jugendzeit des Lebens. Verlieben sich ältere Menschen noch
einmal, erleben sie ihren zweiten Frühling. In die Zeit des Lenzes, um Frühling
einmal poetisch auszudrücken, gehört eine Reihe von Festen. Aus einem
heidnischen Frühlingsfest ist unser christliches Osterfest, das höchste und
wichtigste Fest der Christenheit, entstanden. Die christlichen Kirchen gedenken
der biblischen Überlieferung von der Auferstehung Jesus
vom Tod, die allen Gläubigen die Hoffnung gibt, einst selbst vom Tod
ins Leben zurückzukehren. Ein Großteil des österlichen Brauchtums und der österlichen
Symbole finden ihren Ursprung in heidnischen
Überlieferungen, wie zum Beispiel der Osterhase,
das Osterei
und das Osterfeuer. Fünfzig Tage nach Ostern feiern die Christen das
Pfingstfest, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes und der Gründung der
Kirche. Wie Ostern ging Pfingsten aus einem jüdischen Fest hervor. Es war ursprünglich
ein Erntefest mit Dankopfern. Während das Passah-Fest, das Osterfest, den
Beginn der Getreideernte markierte, wurde am fünfzigsten Tag darauf der
Schawuot begangen, der Tag der Darbringung der Erstlingsfrüchte. Für Menschen,
die mit der religiösen Bedeutung von Pfingsten nicht viel anzufangen wissen
oder sich kirchlich nicht gebunden fühlen, ist Pfingsten lediglich ein verlängertes
Wochenende. Sie nutzen die Feiertage für Wanderungen und Ausflüge zu Fuß oder
mit dem Fahrrad oder für kurze Pfingstreisen.
Im Mai gibt es den Tag der Arbeit mit Setzen des Maibaumes und zahlreiche Blütenfeste.
Dazu passend kann mit Heinrich Faust geschlossen werden „Ich höre schon des
Dorfs Getümmel, hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und
klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!“ Rosina Schmalzhaf
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