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unsere Ahnen in Wudigeß tanzten leidenschaftlich gern
Mit
dem schwungvollen Lied „Brüderchen komm tanz mit mir“ lädt Gretel in der
1893 von dem deutschen Komponisten Engelbert Humperdinck geschaffenen Märchenoper
„Hänsel und Gretel“ ihren Bruder zum Tanzen ein. Fröhlich schweben sie hin
und her und drehen sich vergnügt im Kreise. Das Tanzen lässt sie vergessen,
dass sie die hungrigen Kinder eines armen Besenbinders sind, und ihre Mutter sie
beauftragte, Strümpfe zu stricken und Besen zu binden. Die Freude an Musik,
Tanz und Gesang scheint Kindern in die Wiege gelegt zu sein, denn schon die
Kleinsten reagieren sensibel auf wohltuende Klänge, die die Fröhlichkeit an
rhythmisch wiegenden Bewegungen auslösen. Der Tanz fordert und fördert alle
Sinne des Menschen, da diese körperlich, emotional und geistig kommunizieren. Nach neuesten Erkenntnissen wirkt sich Tanz positiv auf Krankheiten aus
und wird daher zur Therapie z. B. bei Parkinson-Erkrankten eingesetzt. Auch
zu Hause in Wudigeß lag das Tanzen unseren Ahnen im Blut. Nach der
erfolgreichen Arbeit, die sie im späten Herbst zusammen mit den Hausschlachtern
leisteten, damit in den nächsten langen und bitterkalten Wintermonaten deftige
Würste, köstlich geräucherte Schinken und schmackhafter, fetter Speck auf die
Teller kommen konnten, waren die genussreichen Sautänze gute Sitte. Im Winter
schlossen sich die beliebten Bingerlbälle an. Freunde, Nachbarn und Verwandte
organisierten die Hausbälle. Ein Musiker war schnell gefunden, schließlich
waren Mundharmonika und Akkordeon spielen begehrte Freizeitaktivitäten. Die
Teilnehmer packten alles, was verzehrt werden sollte, in ein sauberes Tuch zu
einem Bündel, das sie an einen Stock befestigten und kamen so mit ihren
Spezialitäten zum Ball. Die Gastgeberin servierte meist schmackhafte
Zimmedkropfen, und der Gastgeber kredenzte einen vollmundigen Tropfen Wein. Bei
guter Musik wurde zum Imbiss geschritten und jede/jeder konnte essen, was das
Herz begehrte. Bei bester Stimmung feierten und tanzten die Ballgäste bis in
die frühen Morgenstunden. Im Grunde kennen wir auch heute noch „Bingerlbälle“,
nur die Art und Weise hat eine Änderung erfahren. Heute wird zur Party
eingeladen, die Gäste fahren in ihren klassischen Autos oder eleganten
Limousinen vor, bringen Salate, Kuchen und Torten in lebensmittelechten „Tupperware“-Kunststoffbehältern
mit, und die Musik kommt von einem formschönen CD-Player. Seit den 80zigern
Jahren erinnert der Traditionsbewahrungsverein in Budakeszi an den alten Brauch
der Bingerlbälle und veranstaltet diese einmal jährlich im Erkel
Ferenc Kulturhaus. In diesem Jahr fand der Ball am 21.02.09 statt. Zum Tanz
spielte die schwäbische Kapelle „Szomor Sramli“, die sich den
Verpflichtungen der Vergangenheit und der Pflege der deutschen, beziehungsweise
schwäbischen Musiktraditionen mit großer Begeisterung widmet. Neben einer
Tombola wurde ein Krapfenbackwettbewerb
veranstaltet, der ein voller Erfolg war. Die Budakeszierinnen kreierten wahre
Krapfen-Kunstwerke, so dass die Bewertung äußerst diffizil war. Unsere
Altvorderen wirbelten auch gerne bei den grandiosen, gepflegten Bällen über
das edle Parkett. Stellvertretend erinnert sei an die festlichen
Tanzveranstaltungen in den Gasthäusern beim Martin Lorenz in der Waldgasse 63
und der Stoflitz Wirtin in der Hauptstraße 132. Prächtig dekoriert waren die Säle
und verbreiteten eine brillante, formvollendete Stimmung. Die Ballkleider der
Frauen und Mädchen waren aus kostbaren, erlesenen Materialien, und auch die
Herren gingen im feinen Zwirn zum Ball. Zum Essen gönnte man sich ein knusprig
gebratenes Spanferkel, das der Ober am Tisch tranchierte. Alle Bälle hinterließen
bleibende Eindrücke und sorgten lange Zeit für Gesprächsstoff, der die
wundervollen Abende noch vielmals erleben ließ. Rosina
Schmalzhaf nach Erzählungen von Budakesser Landsleuten
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