Budakesser Gemeinschaft Amtliches Gemeindesiegel Budakeszi 1724

                                    

 im Verband der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn e. V.                                                                 

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1724

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                                                Seife und ihre reinigende Wirkung

Seife sieden ist heute ein schönes und kreatives Hobby

                      Unsere Ahnen verarbeiteten beim Seife sieden einen Teil des Fettes vom Schlachten

 

Das erste Seifenrezept der Menschheit wurde 2500 Jahre vor Christus in Keilschrift auf eine Tontafel eingeritzt und ist zugleich der antikste Nachweis einer chemischen Reaktion. Die Sumerer, das älteste Kulturvolk der Erde, die das Gebiet des heutigen südlichen Irak bewohnten, stellten nach dieser Anleitung eine Art Seife aus Pottasche und Ölen her. Zur Gewinnung der Pottasche verbrannten sie Tannenzapfen oder Dattelpalmen. Auf ähnliche Weise kochten die alten Ägypter, Griechen und Römer ihre Seife. Zusätzlich stellten die Ägypter fest, dass sich Soda zum Wäsche reinigen bestens eignete, das sie in ausgetrockneten Binnenseen in der Wüste fanden. Diese ersten Seifen entsprachen in ihrer Eigenschaft eher Schmierseifen und wurden weniger zur Körperpflege als zum Wäsche waschen und zu anderen Reinigungsarbeiten benutzt. Auch in unserer alten Heimat Budakeszi kochten viele unserer Ahnen ihre Seife zum Waschen und Putzen selbst.

Zur Versorgung ihrer großen, kinderreichen Familien wurden fast in jedem Haus Schweine gemästet. Zum Einkauf der jungen Ferkel fuhr man mit den Pferdewagen in die ungarischen Dörfer und kaufte dort von den sich aufs Schweinezüchten hervorragend verstehenden Ungarn die Wollschweinchen der Rasse Mangalitza, eine robuste, dem Klima ausgezeichnet angepasste Fettschweinrasse, und fütterte die Jungtiere vorwiegend mit „Kukuruz“ (Mais) dick und schwer bis sie nach einem Jahr schmackhaftes, gesundes und natürlich gereiftes Fleisch hatten. Heutzutage werden mehr die mageren Fleischschweine gezüchtet, die nach 100 Tagen schlachtreif sein müssen. Holte der Metzger beim Schlachten das Fleisch zur weiteren Verarbeitung aus dem heißen Kessel, wurde das herab triefende Fett eiligst in einem emailliertem Eimer aufgefangen und in den Keller gestellt. Weiteres überflüssiges Fett kam beim Schlachten anderer Haustiere dazu. War die Fettmenge zum gewünschten, lohnenden Seifensieden erreicht, holte man sich aus dem Rathaus eine Genehmigung, die erlaubte, sich aus der Apotheke Kautschuk/Soda oder Laugenstein, eine stark ätzende Natriumverbindung, die bei Augenkontakt sogar zur Erblindung führen kann, zu besorgen. 3 bis 4 Kilo Fett wurden in einem Kessel mit etwas Regenwasser unter gelegentlichem Rühren langsam bis auf höchstens 90 °C erhitzt und, wenn alles Fett geschmolzen war, wieder auf etwa 50 °C abgekühlt, dann wurde unter vorsichtigem Hinzugeben des ebenfalls mit Regenwasser und etwas Salz aufgelöstem Kautschuk/Soda die Masse zum Gerinnen gebracht aus der unter weiterem ständigem Rühren Seife entstand, die sich nach oben absetzte. Danach wurde alles in einen mit einem Tuch bespannten Holzrahmen geschüttet unter dem für die ablaufende Brühe ein Gefäß parat stand. An der Luft trocknend wurde auf dem Dachboden die Seife fest und konnte nach einigen Tagen in Stücke geschnitten werden. Durch weitere Lagerung reifte sie nach und verbesserte ihre Qualität täglich. Die Brühe wurde in Flaschen gefüllt, diente ebenfalls zum Reinigen und wurde wegen ihrer lebensgefährlichen Wirkung im Falle des versehentlichen Trinkens an einem für Kinder unzugänglichen Ort aufbewahrt.

Das 1789 entdeckte Verfahren des französischen Arztes und Chemikers Nicolas Leblanc zur Sodaherstellung, das 1865 durch das umweltschonendere Verfahren des belgischen Chemikers Ernest Solvay abgelöst wurde, und die Importe billiger Fette und Öle aus den tropischen Ländern machten im 19. Jh. die industrielle Seifenproduktion möglich. Vorbei war die Zeit, in der sich nur wohlhabende Menschen Seife leisten konnten. Heute werden uns in den Geschäften die verschiedensten Seifen zu Reinigungszwecken und zur Körperpflege angeboten, wie flüssige Seifen, Transparent- oder Cremeseifen, Toiletteseifen, Deo-, Luxus- und Babyseifen, Seifen für die Gesichts-, Hand- und Fußpflege und Kernseifen. Es gibt die Seifen in allen möglichen Formen, Größen, Duftrichtungen und Farben aus kostbaren pflanzlichen oder ätherischen Ölen mit hochwertigen Zutaten wie Kräutern, Blüten, Früchten, Meeresalgen, Aloe Vera, Vitaminen, Gewürzen, Honig, Kakaobutter, Tee, Kaffee, Schokolade, Stutenmilch, Heilerde oder Totes Meer Salz. In unserem Streben nach einer gesunden Lebensführung wollen wir auch zur Reinigung für unserer Körper das Edelste und Beste. Dies kann nur eine Naturseife sein ohne synthetische Duft- und Konservierungsstoffe. In Mode gekommen ist auch das selbst Seife ziehen, um Seife, ganz den eigenen Wünschen und Bedürfnissen angepasst, herzustellen.

 

Rosina Schmalzhaf unter Verwendung von Aufzeichnungen von Maria Bresch geb. Natto

                                                                                                     

                                                              

                                                                    

  

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