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Mariä Geburt, fliegen die Schwalben furt – bleiben
sie noch da, ist der Winter noch nicht nah Die Bauernregel in der Überschrift hörte ich in meinen Kindertagen immer am 8. September, an Mariä Geburt, von meiner Mutter, einer aus Budakeszi zusammen mit meinem Vater und weiteren mit dem 2. Transport am 19. März 1946 vertriebenen Wudigessern mit Siegelsbach, einer Gemeinde im früheren Landreis Sinsheim, heute eine der nördlichen Gemeinden des Landkreises Heilbronn, als Zielort und Einweisung ins Auffanglager. Insgesamt waren es bis zum 25. März 4 Transporte mit jeweils 1.000 deutschstämmigen Menschen, die aus Budakeszi vom Bahnhof Biatorbágy/Wihall in Richtung Deutschland aufgrund des Beschlusses der alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, USA, Sowjetunion und Großbritannien, auf der Potsdamer Konferenz vom 17.07.1945 bis zum 01.08.1945, der ordnungsgemäßen Überführung deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn, Folge leisten mussten. Die Transporte trafen nach rund zehn Tagen Eisenbahnfahrt nacheinander in der damaligen amerikanischen Besatzungszone, dem heutigen Baden-Württemberg, ein. Aber nicht nur in Budakeszi waren und sind Bauernweisheiten präsent. Da die Arbeit der Landwirte und Gärtner vom ersten Tun, dem Säen der Samen, dem Pflanzen der Bäume, Sträucher und Früchte oder dem Stecken der Zwiebeln und Knollen über das Wachsen und Gedeihen bis zur Ernte sehr stark vom Wetter abhängig waren und auch heute noch sind, falls die Erträge unserer Felder und Gärten in der freien Natur und nicht in Gewächshäusern erzeugt werden. Daher liegt es nahe, dass vom Wetter abhängige Menschen dieses sehr genau beobachten, zumal sie jahrhundertelang weder über ein Thermometer noch über ein Barometer verfügten. In allen Ländern der Erde versucht der Mensch, sich von ihren Früchten zu ernähren, die ihm daher von jeher von äußerster Wichtigkeit waren, wie Brot, Fleisch, Fische, Früchte und Gemüse, wobei heute das Bewusstsein, dass weniger als ein Siebentel der Erdoberfläche zur Hervorbringung menschlicher Nahrung geeignet ist, hinzukommt, und wir als Menschheit, trotz aller Kämpfe, eine einzige Familie bilden, deren Mitglieder alle voneinander abhängig sind. In allen Kulturen der Völker sind die Naturbeobachtungen der Bauern eingegangen. Denken wir an die alte Weisheit „Abendrot – Gutwetterbrot, Morgenrot – Schlechtwetter droht“, so finden wir im Mathäus-Evangelium 16,2 wie Jesus den Pharisäern und Sadduzäern antwortet: „Des Abends sprecht ihr „Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute ein Unwetter kommen, denn der Himmel ist rot und trübe.“ Bauernregeln sind meist in Reimform gefasste alte Volkssprüche über das Wetter. Mit ihrer Hilfe traf der Bauer seine Entscheidungen zur Aussaat und zur Ernte. Die Weisheiten wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. In der in lateinischer Sprache verfassten Abhandlung „Über die Beschaffenheit des Windes“ gibt der große Philosoph, Jurist, Naturwissenschaftler, Kirchenlehrer und Bischof von Regensburg Albertus Magnus (1193-1280) einen ersten Hinweis auf Bauernregeln im deutschen Sprachraum. In seinem Wetterbüchlein “Von warer erkanntniss des Wetters“, erschienen 1505, und in „Bauernpraktik“, 1508 verlegt, gibt der Nürnberger Leonhard Reynmann die ersten deutschsprachigen Sammlungen von Bauernregeln heraus. Die Bedeutung der Bauernregeln ist zwiespältig. Während einige aus purem Aberglauben entstanden sind, stellen andere sehr präzise naturwissenschaftliche Beobachtungen dar. Reiner Ironie begegnen wir, wenn wir hören: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich's Wetter, oder es bleibt, wie es ist." Das trifft natürlich immer zu. Diese Bauernregel lautet unverfälscht: "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich’s Wetter. Kräht er auf dem Hühnerhaus, hält das Wetter die Woche aus." Diese Aussage gehört in die Gattung Tier- und Pflanzenregeln. Wann nun schreitet der Hahn mit seinem Gefolge auf den Misthaufen? Dies trifft bei wechselhaftem Wetter mit Regenfällen zu, weil es dann dort viel Nahrung gibt, da Würmer und Käfer, die im Misthaufen sitzen, an die Oberfläche kommen, da es unten im Haufen zu nass wird. Hahn und Hühner finden nun im Mist sehr viel zu fressen. Kommt es dagegen zu einer Hochdruckwetterlage, trocknet der Misthaufen an der Oberfläche mit der Folge aus, dass Gewürm, Maden, Larven, Raupen und Insekten sich nach unten verziehen und Hahn und Hühner ihre Nahrung im Gelände suchen müssen. Die Bauernregeln lassen sich einteilen in Wetterregeln, die eine Vorhersage über das Wetter der nächsten 6 bis 12 Stunden treffen, z. B. mit der Aussage: „Je weißer die Schäfchenwolken am Himmel steh'n, desto länger bleibt das Wetter schön.“ So lauten zwei Klimaregeln, die gleichzeitig kalendergebundene Regeln der vielen anderen, den August betreffenden Grundsätzen sind: „Im August beim ersten Regen, pflegt die Hitze sich zu legen“ sowie eine Bauernweisheit für den 24. August: "Wenn die Schwalben jetzt schon ziehen, sie vor naher Kälte fliehen." Weiter beschreibt das Wissen der Bauern Witterungsregeln. Mit diesen wird der Wettercharakter der nächsten Wochen beschrieben. Hierzu zählen die Erkenntnisse um die Eisheiligen im Mai, die Erfahrungen zur Schafskälte Mitte Juni oder die Siebenschläfer-Lostagsregel, also der Regel des feststehenden Kalendertages „Siebenschläfer“: „Wie das Wetter an (um) Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Überhaupt nichts zu tun hat dieses Wissen mit dem possierlichen Tierchen namens Siebenschläfer, sondern mit der christlichen Legende um die sieben Jünglinge, die zur Zeit der Christenverfolgung im alten Rom in eine Höhle flüchteten, dort von ihren Verfolgern eingemauert wurden und zweihundert Jahre lang schliefen. Diese "sieben Schläfer" erwachten, als durch Zufall die Höhle aufgebrochen wurde. Ebenso mythologisch ist die Zahl sieben. Da gibt es die sieben fetten und mageren Jahre, die sieben Plagen und Weltwunder, Schneewittchen und die sieben Zwerge und viele andere mystische Phänomene. Die Zahl sieben der Bauernregel steht lediglich für eine längere Zeitspanne. Die Ernteregeln, z. B. eine im Juni, die dem Agronomen rät: „Im Juni, Bauer bete, dass der Hagel nicht alles zertrete“, beschreiben, welche Auswirkungen das Wetter auf die Ernte hat. Ihre Weisheiten verdanken die Bauern auch den Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt und hielten sie in entsprechenden Regeln fest. Auch der Einfluss des Mondes auf das Wetter schlägt sich in den Bauernweisheiten nieder. Hier treffen Aberglaube, Mystik und Wahrheit aufeinander. Im Allgemeinen wird Wachstum mit zunehmendem Mond verbunden, während der abnehmende Mond das Gegenteil veranlassen soll. Mit der weisen, bäuerlichen Ankündigung: „An Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum" bzw. "Wenn Maria sich verkündet, dann Storch und Schwalbe heimwärts findet", erwarten wir den 25. März.
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