Budakesser Gemeinschaft Amtliches Gemeindesiegel Budakeszi 1724

                                    

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1724

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                                                       Kiritog daham –

unsere Pfarrkirche „Maria Schnee“ in Wudigeß

 

Kiritog, das Wort verzaubert uns, spüren wir doch, welche elementare Bedeutung das Fest für unsere Ahnen und Urahnen hatte, denn es krönte gleichwohl den Jahresablauf von jung und alt. Unsere barocke Pfarrkirche „Maria Schnee“, die in den Jahren 1761 bis 1766 erbaut wurde, ist ein markanter Punkt des Ortes Wudigeß. Mächtig und imposant ragt sie mit ihrer ebenmäßigen Fassade und dem Turm mit seinem wunderbaren Turmhelm empor. Das Kircheninnere ist vom späten Barock mit großzügiger Raumwirkung geprägt. Unsere Ahnen haben die Gottesmutter Maria zur Namens- und Schutzpatronin erkoren und dem Gotteshaus den Namen „Maria Schnee“ gegeben. Die Ursprünge dieses Namens gehen zurück auf die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, die bedeutendste Marienkirche des Abendlandes. Der frühere Name lautete „Maria Schnee“ und erinnerte an die Legende von einem wunderbaren Schneefall im August, durch den Maria angezeigt habe, wo eine Kirche gebaut werden solle. Diese Kirche auf dem Esquilin wurde unter Papst Liberius 352 – 366 errichtet und 435 der 

 

aquarellierte Zeichnung von Josef de Ponte 1943

 

 

Hauptstraße mit der Pfarrkirche – aquarellierte Zeichnung von Josef de Ponte – 1943 

 Umschlagvorderseite und Seite 2 des Heimatbuches  

 

Mutter Gottes geweiht, zur Erinnerung an das Konzil von Ephesus, auf dem der Titel „Gottesmutter“ für Maria ausdrücklich bestätigt wurde. Der Weihetag der Basilika Santa Maria Maggiore ist der 5. August, wie auch das Namensfest unserer Pfarrkirche in Budakeszi. Kiritog wurde daher am 1. Sonntag und Montag im August gefeiert. Meist war der Schnitt, diese mühsame, Kräfte verzehrende Arbeit auf den Feldern getan, die Garben waren getrocknet, das Getreide eingebracht, und das Korn gedroschen. Nun war es möglich, sich um das Fest der Feste zu kümmern. Haus und Hof sollten glänzen. Fast immer „weißelten“ die Frauen mit dem „Weißwodl“, einem Pinsel an einem langen Stil, die Außenfassaden ihrer Häuser, scheuerten gründlich die Böden in den Stuben und Küchen und kehrten tadellos die Höfe und Gassen. Die fleißigen Näherinnen hatten alle Hände voll zu tun, benötigten doch viele Mädchen ein neues Kleid, ein „Kiritogsgwand“. Natürlich durfte das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. So wurden wochenlang Enten und Gänse gestopft, um diese nach dem festlichen Hochamt am Kiritogssonntag in der nur bei besonderen Anlässen genutzten, guten Stube, im Kreis der Familie, paniert als „Ausserpochenes“ zu verzehren. Zuvor kam eine schmackhafte Rindsuppe mit viel Gemüse und Fleisch auf den Tisch. Zum Essen wurden roter und weißer Wein gereicht, den viele sich mit frischem Sodawasser mischten. Ein Stück Wassermelone schmeckte köstlich und natürlich die guten Kugelhupfs, Beigli, Torten und das Kleingebäck. Die Kinder waren nach dem Essen nicht mehr länger am Tisch zu halten und stürmten auf den „Plotz“, auf den Marktplatz gegenüber der Einmündung zur Kossuthgasse. Tage zuvor wurden hier schon das barock bemalte „Ringlspü“, das Kettenkarussell und die bunt bemalten Schiffschaukeln aufgebaut, die alle durch die Muskelkraft der jungen Burschen bewegt wurden. Der Platz erlebte die pure Lebensfreude, hatte er sich doch in einen bunten Markt mit vielen Verkaufsständen für duftenden Türkischen Honig, seidige Zuckerwatte, würzige Lebkuchen, aber auch, für Kochlöffel, Häferl, Teller, Schmuck und Spielzeug verwandelt. Zur Unterhaltung waren ein Feuer- und Säbelschlucker, eine schwebende Jungfrau, ein Zauberkünstler und eine Wahrsagerin gekommen. Sie alle machten neugierig, fesselten und faszinierten in höchsten Maßen. Ein Papagei zog mit seinem Schnabel einen Glückszettel, ein Leierkastenmann erfreute mit seinen Melodien, ein Fotograf schoss zum Andenken entzückende Fotos. An den Schießbuden war die Freude für den Schützen als auch für seine Herzensdame gleichermaßen groß, wenn es gelang, eine Papierrose oder eine Pfauenfeder zu treffen. Am Nachmittag konnten beim Faludi-, Kmajager-, Martin- und Perner-Wirt und bei der Mocsnek- und der Stofflitz-Wirtin die Tanzbeine bis spät in die Nacht zum Walzer, zur Polka, zum Ländler und zum Hops geschwungen werden. Am Montag wurden an Haus und Hof lediglich die nötigsten Arbeiten verrichtet. Vormittags luden die Glocken wiederum zum Gottesdienst ein, danach gab es erneut ein festliches Mittagsmahl und den Gang zum „Plotz“. Gegen Abend, bei den Gedanken an die Verabschiedung des so wichtigen Ereignisses im Jahresablauf, lag Wehmut in der Luft. Es war jung und alt traditionell gemeinsam gelungen zusammen zu feiern, sie, die gemeinsam durch die harte Arbeit geprägt waren, erlebten gemeinsam Lebensfreude. Zufriedenheit auch bei den Händlern, Künstlern und Schaustellern mit den getätigten Geschäften, und so gab es ein Servus bis zum nächsten Jahr.

 

Rosina Schmalzhaf

unter Verwendung der Literatur:

Brockhaus Enzyklopädie,

Heimatbuch: Budakeszi/Wudigeß und

„Einblick in tiefverwurzelte Traditionen“ von Maria Bresch

 

                                                                                             

 

                                                             

                                                                    

  

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