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Als Anna Hofher geb. Schleer am 14. März 1903 in Budakeszi als zweitältestes Kind von acht Sprösslingen des Gregor Schleer und seiner Frau Maria geb. Koch das Licht der Welt erblickte, ahnte damals niemand, dass dieses Mädchen einmal als junge Frau zwei Jahrzehnte lang als Hebamme zahlreichen Jungen und Mädchen beim Start ins Leben behilflich werden würde. Schon verheiratet, erkannte sie, dass ihr der Beruf der Hebamme Freude bereiten würde. Da sie zuverlässig, gewissenhaft, tatkräftig, umsichtig und einfühlsam war, über die erforderliche Körperkraft verfügte, um werdende Mütter zu stützen und zu halten und sich für biologische und medizinische Themen, insbesondere im Bereich der Schwangerschaft und Geburt, interessierte, ließ sie sich in Budapest zur Hebamme ausbilden und bekam, nach einem guten Abschluss, die Stelle der Gemeindehebamme in Budakeszi. Weil es sich bei den meisten Geburten um Hausgeburten handelte, und die Geburtenziffern den „Pillenknick“ noch nicht kannten, nahm die Hebamme eine bedeutende Stellung im Ort ein und wurde mit „Madám“ tituliert. Zur damaligen Zeit wurden in Budakeszi jährlich im Durchschnitt 190 Kinder geboren, die von den zwei Hebammen Maria Fischer und Anna Hofher zur Welt gebracht wurden. Beide Frauen verstanden es, den Eintritt in das Leben sanft und sicher zu begleiten. Anna Hofher war eine tüchtige Fachfrau für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Als Gemeindehebamme und als Mensch verweigerte sie keiner Frau die notwendige Hilfe und hatte das Wohlergehen ihrer Schützlinge und deren Familien zum Ziele. So war sie als „gólyanéni“ (Storchentante) auf Wunsch auch Taufpatin vieler Kinder. Zu ihren Aufgaben gehörte es, im Falle einer für das Kind tödlich verlaufenden Geburt, die Nottaufe durchzuführen. Erfreulicherweise ist in den letzten Jahrzehnten die Säuglingssterblichkeit erheblich gesunken, parallel hierzu verlief die steigende Lebenserwartung. Diese positiven Trends setzen sich gegenwärtig weiter fort. So sterben heute im Durchschnitt vier von 1.000 neugeborenen Kindern, während die Quote vor hundert Jahren bei 200 Kindern lag, die vom Säuglingssterben betroffen waren. Der erhebliche Rückgang ist im Wesentlichen auf die fortschrittliche medizinische Versorgung, die erweiterte Gesundheitspflege und die bessere Ernährung, sowohl der Frauen als auch der Kinder, zurückzuführen. Die Geburt eines Kindes war immer ein großes Ereignis, das mit gutem Essen, erlesenen Getränken und köstlichem Gebäck gefeiert wurde. Mit der Geburt erfuhr die Frau die Aufwertung ihrer sozialen Stellung, sah und sieht man doch die Familie als wichtigen Grundstock der Gesellschaft. Daneben war ein ökonomischer Gesichtspunkt ebenfalls von Bedeutung. Kinder trugen dazu bei, das Einkommen der Familien zu erhöhen und sollten später einmal die Eltern versorgen. Anna Hofhers helfende Hände waren beliebt und wurden gebraucht. Ihr Ziel war, die Geburt trotz aller Schmerzen zu einem schönen Erlebnis zu machen. Musste ärztliche Hilfe hinzugezogen werden, arbeitete sie eng mit Dr. Csák zusammen. Nach der Begleitung und Unterstützung der Gebärenden durch alle Phasen der Geburtsarbeit erfolgte nach der Geburt die Untersuchung und Versorgung von Mutter und Kind. Für Anna Hofher war es Freude und Belohnung, wenn sie ein gesundes Kind auf die Welt holen, und es einer strahlenden Mutter und einer zufriedenen Familie übergeben konnte. Fürsorglich gestaltete sich die Betreuung der Wöchnerinnen unter Mithilfe der ganzen Familie, der Nachbarn und Bekannten. Als vertraute Person kam die Hebamme zur Wochenbettbetreuung ins Haus, beantwortete Fragen, achtete auf die Genesung der Mutter und die Entwicklung des Säuglings. Auch Anna Hofher entging dem Schicksal der Vertreibung nicht. Mit dem vierten Transport kam sie mit ihrem Ehemann und ihren beiden erwachsenen Kindern am 1. April 1946 in Neckarzimmern an und von dort in die Schiffergemeinde Haßmersheim am Neckar. Die Suche nach den besten Arbeitsmöglichkeiten erforderte den Umzug nach Heidelberg. Da Anna Hofher die notwendigen Qualifikationen zur Hebamme in Ungarn erworben hatte, wurden diese in Deutschland nicht anerkannt. Sie fand jedoch eine Anstellung bei den amerikanischen Streitkräften, lernte englisch und konnte nach einigen Jahren in den, heute spricht man vom „vorzeitigen“, Ruhestand gehen. Die Kinder wanderten 1951 und 1953 aus und fanden in Kanada und in den USA ihr Glück. Im Jahre 1967 verstarb Anna Hofher und im gleichen Jahr auch ihr Ehegatte Lorenz. Beide fanden ihre letzte Ruhestätte im Heidelberger Bergfriedhof, die im Jahre 2007, nach einer Belegzeit von 40 Jahren, aufgelöst wurde. Rosina
Schmalzhaf als Nichte
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