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Großmütter sind nicht gleich Großmütter - nicht gestern und nicht heute
Ein holländisches Sprichwort sagt: „Großmütter sind Mütter, die vom lieben Gott eine zweite Chance bekommen haben." Mit dieser zweiten Chance verstehen die meisten von ihnen gut umzugehen. Ganz ohne den Stress und den Mühen der Kindererziehung können sie ihren Enkeln beim Aufwachsen zusehen und sie verwöhnen. Schließlich sind die heutigen Großmütter die einzigen Erwachsenen, die Zeit haben. Sie kennen die Wichtigkeit des Märchenerzählens genauso, wie sie wissen, dass über ihre Lippen niemals der Satz: "Los, beeile Dich!" kommen darf. Großmütter brauchen nicht besonders schlau zu sein, aber wenn die Fragen kommen: "Warum ist der liebe Gott nicht verheiratet?" oder: "Warum können Hunde keine Katzen leiden?", müssen sie das wissen. So kennen wir die sich für alles zuständig fühlenden Omas, die mit ihren Enkeln zum Arzt gehen wollen, wenn diese krank sind und zur Lehrerin, wenn die Noten für die Schularbeiten schlecht ausgefallen sind. Da gibt es die flotten Omas, die so aussehen, als seien sie die Schwestern der Mamas, weil sie Sport treiben, regelmäßig ins Fitnesscenter und zur Kosmetikerin gehen. Die Strickomas handarbeiten wunderbare Pullover, Mützen, Schals, Handschuhe und Socken. Wir kennen die Omas, die es immer möglich machen, da zu sein, wenn sie gebraucht werden. Und schließlich noch die Omas, die alle Fehler vermeiden möchten, die die angeblich bösen Schwiegermütter so machen. Dass es auch daheim in Ungarn Unterschiede zwischen den Großmüttern gegeben hat, davon weiß eine Beisitzerin der Budakesser Gemeinschaft zu berichten, die gerne an ihre „Ahl“ und an ihre Nagymama zurück denkt. Da war die Ahl, die im Unterort, in der „Froschloke“ in einem kleinen Häuschen wohnte. Ihre Stube hatte noch einen gestampften Lehmboden, und das Licht spendete eine Petroleumlampe. Die Nagymama wohnte im Oberort, hatte eine „fedri Stum“ (vordere Stube) und elektrisches Licht erhellte das Haus. Die Stube, wir sprechen heute vom Wohnzimmer, diente der Repräsentation und war für Kinder tabu. Die Ahl war eine Kriegerwitwe mit schmalem Einkommen. Ihr Rücken war von der harten Arbeit im Haus und im Feld gekrümmt. Das Großziehen und das Erziehen ihrer fünf Kinder ruhten auf ihren Schultern und kosteten viel Kraft. Für zwei ihrer Enkelkinder leistete sie Muttersatz, da die Kinder ihre Mutter früh verloren haben. Im Hause der Nagymama sorgte der Nagypapa, der als Soldat aus dem ersten Weltkrieg zurückgekommen war, für das Familieneinkommen und war eine Stütze bei der Erziehung der acht Kinder, von denen zwei Söhne im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Vom Großvater erinnert sein Name auf dem Kriegerdenkmal, den die Enkelkinder mit Stolz ihren Spielkameraden zeigten, aber seine helfenden Hände fehlten. Die Nagymama war eine stattliche, selbstbewusste Frau, die viel Wert auf gute Umgangsformen, ein gepflegtes Haus und ein gepflegtes Äußeres legte. Jeden Sonntag gab es eine „Bocherei“, was die Ahl sich nicht leisten konnte, daher brachten ihr die Enkel, besonders an den Feiertagen, von Zuhause „Beigel“. Der Sonntag war auch der Tag, an dem die Nagymama besucht wurde. Mit großem Interesse fragte sie die Enkelkinder nach ihrem Befinden und ihrem Können, erzählte von den Leistungen der Kinder ihrer Nachbarschaft und verglich diese miteinander. Da ein Sohn und Onkel für das Lehramt studierte, gab es in Nagymamas Haus und auf dem Dachboden viele Bücher, in denen die Enkel schmökern durften. Besuchten die Enkelkinder ihre Ahl, so spielten sie mit den Geschwisterkindern, die bei der Ahl aufwuchsen, und die sie zu ihren Freunden mitnahmen. Bald kannte man viele Leute in der „Gosn“ (Gasse). Als Kind aufgewachsen in Budapest beherrschte die Nagymama sehr gut die ungarische und deutsche Sprache. Die Ahl redete mit schwabischem Dialekt. Dem Los der Vertreibung entging die Ahl, die fromme, bescheidene Frau, die niemals klagte, durch ihren Tod. Die Nagymama wurde nicht vertrieben. Sie erreichte ein gesegnetes Alter und durfte mit Nagypapa die Goldene Hochzeit feiern. Zwei Frauen, zwei Welten. Am Ende ihres Lebens sind sie einander gleich geworden. In Heimaterde bestattet, liegen sie nun nur einen Steinwurf auseinander auf dem Friedhof ihres Geburtsortes Budakeszi, den Ort, den beide so sehr liebten. Rosina Schmalzhaf
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