
Die kaum zu übertreffende
Farbenpracht des Herbstes 2003
Welche Farbenpracht hat uns doch die Natur
im letzten Herbst geschenkt! Der warme, Goldene Oktober reichte bis in die Mitte
des Novembers, so dass auch von einem Goldenen November die Rede war. Selbst an
der Börse glänzte der November golden. Deutlich milder als in den übrigen
Jahren war das Wetter, und die Sonne strahlte. „Altweibersommer“ nennt der Volksmund diese Schönwetterperiode. Der Ursprung dieses Begriffs führt
weit zurück in unsere Vergangenheit, nämlich in die germanische Mythologie.
Dort ist nachzulesen, dass an sonnigen Septembertagen mit anschließend kühlen,
klaren Nächten in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages, durch den Tau
auf den Pflanzen und Bäumen, Spinnweben deutlich zu erkennen sind. Und nach
altem germanischem Glauben zeigt sich darin das Wirken der "Nornen",
der alten Schicksalsgöttinnen, die an den Lebensfäden der Menschen spinnen
sollen. Weil
diese Spinnfäden so silbrig glitzerten, glaubten früher die Leute alte Weiber
hätten diese Haare beim Kämmen verloren und nannten deshalb die Zeit der
Silberfäden „Altweibersommer“. Aber das ist natürlich nur eine Sage und
alte Weiber war früher auch kein Schimpfwort. Spätere, im Christentum
entstandene- Legenden, wissen zu berichten, dass die Silberfäden des
Altweibersommers aus dem Mantel Marias stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt
trug. Im Volksmund heißen daher diese Spinnfäden auch "Marienfäden",
"Marienseide", "Marienhaar" oder "Unserer Lieben Frauen
Gespinnst". In den Neuengland-Staaten und in Kanada nennt sich der
Altweibersommer "Indian Summer“ und ist berühmt für die prächtige
Herbstfärbung der Laubbäume. Der Name "Indian Summer" begründet
sich auf einer alten indianischen Legende, nach der das Rot der Bäume das Blut
eines erlegten Bären symbolisieren soll. Die Laubwälder zeigen eine
unglaubliche Farbenpracht, die durch die kalten Nächte und die warmen, sonnigen
Tage sowie die vielfältigen Baumarten hervorgerufen wird. Beim Rundflug mit dem
Hubschrauber scheint es, als ob die Wälder in hellen Flammen stünden. Für
unsere Eltern und Großeltern war der Herbst die Zeit der Weinlese, der
Hausschlachtung, des Kukuruzausschälens und des Federschleißens mit schönen
Erlebnissen bei den Weinlesefesten, beim Sautanz und in der Kungelstum.
Rosina
Schmalzhaf