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Fotos aus dem Filmdokument
"Budakeszi in alter Zeit" 1926/1927
Welch
ein Glücksfall für die Budakesser, ein solches Dokument zu besitzen!
Wagemutig, in einer Nacht- und Nebelaktion, holte in den 1960er Jahren Albrecht
Sanyi, bekannt als Mozi-Sanyi, den Film in Budakeszi aus dem beschlagnahmten
Kino seines Vaters und ließ ihn über Josef Ortner zu Dr. Béla Gödrösy nach
Deutschland bringen. Da der Zelluloidstreifen zusammengeklebt und die
Perforation beschädigt war, war es nicht möglich, ihn einfach abzuspielen. So
blieb auch unbekannt, was auf dem Film zu sehen ist. Einig war man sich, dass es
sich um eindrucksvolle Aufnahmen, von geschichtlich und kulturell hohem Wert
handle. Jahrelang schlummerte das Filmdokument ungenutzt im Archiv. 1994 übergab
Josef Ortner den Film an Anton Deberle mit der Bitte, etwas daraus zu machen.
Neben einigen Fehlschlägen gelang es schließlich 1999 dem Studio ABC und
Taunusfilm Wiesbaden, den Film auf VHS-Kassette zu überspielen. Gerettet war
das vorhandene Material, da zwischenzeitlich die Gefahr der Selbstentzündung
drohte. Unser
Budaörser Landsmann Andreas Ritter, Schwetzingen, erkannte, welcher Schatz
geborgen worden war, gliederte im Jahre 2006 den sechsminütigen, 1926 und 1927
von Unbekannt aufgenommenen Stummfilm in 95 Einzelbilder auf und dokumentierte
die kulturellen und historisch bedeutenden Ereignisse. Durch das Aufschlüsseln
der Bilder ermöglicht Ritter den Betrachtern bei einzelnen Aufnahmen zu
verweilen, einen Blick zurück zu werfen, um Eltern, Großeltern und vielleicht
sogar die Urgroßeltern leibhaftig zu erleben. Gleichzeitig bot sich dem
Regisseur Ritter die Möglichkeit, im Film Personen hervorzuheben, kleine
Effekte einzufügen und die Bilder mit Ton und Farbe zu unterlegen. Mit
Originalklängen der Blaskapelle Theisz, aus einer Aufnahme des Jahres 1920,
stimmt der Film besinnlich auf den beschaulich, ruhig und idyllisch gelegenen
Ort Budakeszi ein. Präsent wird der 1923 von Rudolf Edelmann und Gustav Lakos
gegründete Männergesangverein Lyra beim Landeswettbewerb der Chöre in
Debrecen. Als Mitglied des Landessängerbundes nahm die Lyra in der zweitgrößten
Stadt Ungarns an dieser Festlichkeit teil. Die Zuschauer erfahren, dass der sehr
beliebte Verein innerhalb kurzer Zeit auf 44 Mitglieder angewachsen war und später
durch den gemischten Chor St Cecilie und ein 14-köpfiges Streichorchester
erweitert wurde. Die Sänger ziehen in Reih und Glied durch die Straßen
Debrecens, angeführt vom Dirigenten, der Ehrenjungfrau mit den Begleitern, dem
zur Identifikation des Chores ein Schildchen tragenden Jungen und dem Fahnenträger.
Von einigen Chormitgliedern konnten sogar die Namen ermittelt und an
entsprechender Stelle eingeblendet werden. Nun bringen die Sänger, Lampions in
den Händen haltend, ihrer Ehrenjungfrau ein Ständchen dar. Das Mädchen ist
von der Wertschätzung sichtlich beeindruckt, bedankt sich mit einer höflichen
Verbeugung und einem artigen Knicks. Mit
dem Jahre 1927 gab es in Budakeszi Passionsspiele. Die Laienspielgruppe nahm
diese in ihr Programm und führte sie während der Karwoche im großen Saal des
Gasthauses Stofflitz auf. Das Bühnenbild schuf Josef de Ponte senior. Künstlerisch
ließ man sich vom Theater in Budapest beraten. Auch hier konnten einige Namen
der Schauspieler und Schauspielerinnen ermittelt werden. Im Film festgehalten
sind die Szenen vom letzten Abendmahl, wie Simon von Cyrene von einem römischen
Soldaten gezwungen wird, Jesus beim Tragen des schweren Kreuzes zu helfen und
wie Veronika Jesus das Schweißtuch reicht auf dem ein Abdruck seines Antlitzes
zurückbleibt. Die
Blicke schweifen nun durch den alten Erholungsort Budakeszi, der eingebettet am
Fuße der waldbedeckten Hänge liegt und vertraute Erinnerungen wach werden lässt.
Da sind die Bilder der Hauptstraße mit dem Gemeindehaus im Vordergrund, weiter
geht es in Richtung Bergacker, mit dem noch dünn besiedelten Hang vom
Sanatorium zur Petöfi- und Rákóczi-Straße. Die Pfarrkirche Maria Schnee ist
der zentrale Punkt des Ortes. Der alte Ziehbrunnen ist gut zu erkennen. In aller
Frühe des Fronleichnamstages gestalteten zahlreiche fleißige Hände mit viel
Liebe und Sorgfalt den einen Meter breiten und zweieinhalb Kilometer langen
Prozessionsweg, dessen Schönheit durch die mit Farbe unterlegten Bilder
herrlich zur Geltung kommt. Der bunte Blütenteppich wurde zur Ehre Gottes
gelegt und war einmalig in Ungarn und für die vielen Gäste aus Budapest und
Umgebung eine Augenweide, die Bewunderung, Staunen und viel Lob entfesselte.
Christliche Motive, aber auch das ungarische Wappen, prägten die Blütenornamente.
Jedes Haus hatte, in einer langen Tradition begründet, sein Muster. Wie ein
Rahmen säumte abschließend frisch gehäckseltes Gras und eine Allee aus
frischen Birkenzweigen, die nur für diesen einen Tag in die Erde eingegraben
wurden, den Prozessionsweg, den niemand betreten durfte, bevor nicht der Pfarrer
mit dem Allerheiligsten darüber geschritten war. Vier Stationen, eine Art Laubhütten,
aus Baumästen und Sträuchern kunstvoll aufgebaut, warteten am Weg, reichlich
geschmückt mit religiösen Bildern, Blumen und Kräuterbüschel, auf die andächtigen
Gläubigen. Jede Kapelle hatte ihr individuelles Aussehen. Die Kräuterbüschel
durften dabei an keiner fehlen, nahm man doch die geweihten Bündel nach der
Prozession gerne mit heim und hängte sie zum Schutz des Hauses unter dem Dach
auf. Bei schweren Gewittern legte man die Bündel ins Herdfeuer und verbrannte
sie. Vor jeder Station standen zwei Mädchen mit Kränzen in den Händen, die
eine Art Ehrenwache bildeten. Sie hatten darauf zu achten, dass niemand Schaden
anrichtete und die Blumen und Kräuterbüschel vorzeitig entfernte. Nach dem
feierlichen Hochamt, das in der Kirche zelebriert wurde, fieberten die Fahnenträger,
Marienmädchen, Windlichtträger und die Geschworenen, die den Himmel trugen,
ihrem Einsatz entgegen. Erlösend brauste die Orgel auf, setzte sich der
Pfarrer, umgeben von den »klinzelnden« Ministranten in Bewegung, und ein jeder
fand seinen Platz. Nach einer strengen Ordnung führten die Schulbuben, nach
Altersklassen gestaffelt, mit dem Vortragekreuz die Prozession an. Sie gingen
rechts und links auf dem Grünstreifen neben dem Blumenteppich. Es folgten,
ebenfalls nach dem Alter gestaffelt, die Schulmädchen mit ihren Betreuerinnen.
Dann kamen die Burschen mit ihren Fahnen, und die Vereine, die gleichfalls ihre
Fahnen mitführten. Dahinter liefen singend und betend die verheirateten Männer.
Die Marienmädchen schlossen sich an, die schon unmittelbar vor dem Himmel
gingen. Direkt vor dem Himmel, er wurde getragen von vier Geschworenen, daneben
marschierten die Windlichtträger, ging der Kaplan mit dem Weihrauchfass,
umgeben von den »klinzelnden« Ministranten. Unter dem Baldachin schritt der
Pfarrer mit der Monstranz, der als Erster den Blumenteppich betreten durfte.
Dahinter gingen die Honoratioren der Gemeinde, die schon über den Blumenteppich
laufen durften. Am Ende des Zuges liefen die verheirateten Frauen in ihren schönen
Trachten. Immer wieder wurden bekannte Namen eingeblendet. »Fronleichnam,
für uns, die wir es noch erleben durften, etwas Einzigartiges. Die Glocken läuteten.
Man hörte singende Männer-, Frauen- und Kinderstimmen, dann spielte wieder die
»Musi«, »klinzelnten« die Ministranten. Vor dem Himmel schwebte eine
Weihrauchwolke, schwere Fahnen wurden von stämmigen Burschen getragen.
Kongregationsmädl trugen eine Marienstatue auf ihren Schultern, von der viele
weiße Bände in die Hände der seitlich schreitenden Jungfrauen liefen. Die Mädchen
waren in weiß oder hellen Farben gekleidet mit hoch, unterm Jupperl gebundenen,
tausendfaltigen, glockenhaften Kitteln, ein Taschentuch, ein Gebetbuch und eine
Betten in der Hand, das Haar kunstvoll in Nestform gebannt und überall
Blumenduft und gleißendes Sonnenlicht«, so beschrieben von Jakob Bechtold. Angesichts
der Bearbeitung dieses wertvollen Dokuments verbleibt der Budakesser
Gemeinschaft Andreas Ritter ein herzliches Dankeschön auszusprechen für das »zum
Laufen« gebrachte Video und die großartige Bearbeitung dieses Filmdokumentes,
in Form von Ton, Farbe, Effekten, namentlicher Kennzeichnung der Personen und
die Dokumentation der historischen Ereignisse. Ein Dankeschön Annamaria von
Staden-Holl und Anton Deberle für die Beratung und Textgestaltung des Filmes. Rosina
Schmalzhaf
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