Budakesser Gemeinschaft Amtliches Gemeindesiegel Budakeszi 1724

                                    

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1724

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                                     Fotos aus dem Filmdokument "Budakeszi in alter Zeit" 1926/1927  

 

 

          Budakeszi in alter Zeit - ein Filmdokument aus dem Jahre 1926/1927                         Budakeszi in alter Zeit

 

Welch ein Glücksfall für die Budakesser, ein solches Dokument zu besitzen! Wagemutig, in einer Nacht- und Nebelaktion, holte in den 1960er Jahren Albrecht Sanyi, bekannt als Mozi-Sanyi, den Film in Budakeszi aus dem beschlagnahmten Kino seines Vaters und ließ ihn über Josef Ortner zu Dr. Béla Gödrösy nach Deutschland bringen. Da der Zelluloidstreifen zusammengeklebt und die Perforation beschädigt war, war es nicht möglich, ihn einfach abzuspielen. So blieb auch unbekannt, was auf dem Film zu sehen ist. Einig war man sich, dass es sich um eindrucksvolle Aufnahmen, von geschichtlich und kulturell hohem Wert handle. Jahrelang schlummerte das Filmdokument ungenutzt im Archiv. 1994 übergab Josef Ortner den Film an Anton Deberle mit der Bitte, etwas daraus zu machen. Neben einigen Fehlschlägen gelang es schließlich 1999 dem Studio ABC und Taunusfilm Wiesbaden, den Film auf VHS-Kassette zu überspielen. Gerettet war das vorhandene Material, da zwischenzeitlich die Gefahr der Selbstentzündung drohte.

Unser Budaörser Landsmann Andreas Ritter, Schwetzingen, erkannte, welcher Schatz geborgen worden war, gliederte im Jahre 2006 den sechsminütigen, 1926 und 1927 von Unbekannt aufgenommenen Stummfilm in 95 Einzelbilder auf und dokumentierte die kulturellen und historisch bedeutenden Ereignisse. Durch das Aufschlüsseln der Bilder ermöglicht Ritter den Betrachtern bei einzelnen Aufnahmen zu verweilen, einen Blick zurück zu werfen, um Eltern, Großeltern und vielleicht sogar die Urgroßeltern leibhaftig zu erleben. Gleichzeitig bot sich dem Regisseur Ritter die Möglichkeit, im Film Personen hervorzuheben, kleine Effekte einzufügen und die Bilder mit Ton und Farbe zu unterlegen. Mit Originalklängen der Blaskapelle Theisz, aus einer Aufnahme des Jahres 1920, stimmt der Film besinnlich auf den beschaulich, ruhig und idyllisch gelegenen Ort Budakeszi ein. Präsent wird der 1923 von Rudolf Edelmann und Gustav Lakos gegründete Männergesangverein Lyra beim Landeswettbewerb der Chöre in Debrecen. Als Mitglied des Landessängerbundes nahm die Lyra in der zweitgrößten Stadt Ungarns an dieser Festlichkeit teil. Die Zuschauer erfahren, dass der sehr beliebte Verein innerhalb kurzer Zeit auf 44 Mitglieder angewachsen war und später durch den gemischten Chor St Cecilie und ein 14-köpfiges Streichorchester erweitert wurde. Die Sänger ziehen in Reih und Glied durch die Straßen Debrecens, angeführt vom Dirigenten, der Ehrenjungfrau mit den Begleitern, dem zur Identifikation des Chores ein Schildchen tragenden Jungen und dem Fahnenträger. Von einigen Chormitgliedern konnten sogar die Namen ermittelt und an entsprechender Stelle eingeblendet werden. Nun bringen die Sänger, Lampions in den Händen haltend, ihrer Ehrenjungfrau ein Ständchen dar. Das Mädchen ist von der Wertschätzung sichtlich beeindruckt, bedankt sich mit einer höflichen Verbeugung und einem artigen Knicks.

Mit dem Jahre 1927 gab es in Budakeszi Passionsspiele. Die Laienspielgruppe nahm diese in ihr Programm und führte sie während der Karwoche im großen Saal des Gasthauses Stofflitz auf. Das Bühnenbild schuf Josef de Ponte senior. Künstlerisch ließ man sich vom Theater in Budapest beraten. Auch hier konnten einige Namen der Schauspieler und Schauspielerinnen ermittelt werden. Im Film festgehalten sind die Szenen vom letzten Abendmahl, wie Simon von Cyrene von einem römischen Soldaten gezwungen wird, Jesus beim Tragen des schweren Kreuzes zu helfen und wie Veronika Jesus das Schweißtuch reicht auf dem ein Abdruck seines Antlitzes zurückbleibt.

Die Blicke schweifen nun durch den alten Erholungsort Budakeszi, der eingebettet am Fuße der waldbedeckten Hänge liegt und vertraute Erinnerungen wach werden lässt. Da sind die Bilder der Hauptstraße mit dem Gemeindehaus im Vordergrund, weiter geht es in Richtung Bergacker, mit dem noch dünn besiedelten Hang vom Sanatorium zur Petöfi- und Rákóczi-Straße. Die Pfarrkirche Maria Schnee ist der zentrale Punkt des Ortes. Der alte Ziehbrunnen ist gut zu erkennen. In aller Frühe des Fronleichnamstages gestalteten zahlreiche fleißige Hände mit viel Liebe und Sorgfalt den einen Meter breiten und zweieinhalb Kilometer langen Prozessionsweg, dessen Schönheit durch die mit Farbe unterlegten Bilder herrlich zur Geltung kommt. Der bunte Blütenteppich wurde zur Ehre Gottes gelegt und war einmalig in Ungarn und für die vielen Gäste aus Budapest und Umgebung eine Augenweide, die Bewunderung, Staunen und viel Lob entfesselte. Christliche Motive, aber auch das ungarische Wappen, prägten die Blütenornamente. Jedes Haus hatte, in einer langen Tradition begründet, sein Muster. Wie ein Rahmen säumte abschließend frisch gehäckseltes Gras und eine Allee aus frischen Birkenzweigen, die nur für diesen einen Tag in die Erde eingegraben wurden, den Prozessionsweg, den niemand betreten durfte, bevor nicht der Pfarrer mit dem Allerheiligsten darüber geschritten war. Vier Stationen, eine Art Laubhütten, aus Baumästen und Sträuchern kunstvoll aufgebaut, warteten am Weg, reichlich geschmückt mit religiösen Bildern, Blumen und Kräuterbüschel, auf die andächtigen Gläubigen. Jede Kapelle hatte ihr individuelles Aussehen. Die Kräuterbüschel durften dabei an keiner fehlen, nahm man doch die geweihten Bündel nach der Prozession gerne mit heim und hängte sie zum Schutz des Hauses unter dem Dach auf. Bei schweren Gewittern legte man die Bündel ins Herdfeuer und verbrannte sie. Vor jeder Station standen zwei Mädchen mit Kränzen in den Händen, die eine Art Ehrenwache bildeten. Sie hatten darauf zu achten, dass niemand Schaden anrichtete und die Blumen und Kräuterbüschel vorzeitig entfernte. Nach dem feierlichen Hochamt, das in der Kirche zelebriert wurde, fieberten die Fahnenträger, Marienmädchen, Windlichtträger und die Geschworenen, die den Himmel trugen, ihrem Einsatz entgegen. Erlösend brauste die Orgel auf, setzte sich der Pfarrer, umgeben von den »klinzelnden« Ministranten in Bewegung, und ein jeder fand seinen Platz. Nach einer strengen Ordnung führten die Schulbuben, nach Altersklassen gestaffelt, mit dem Vortragekreuz die Prozession an. Sie gingen rechts und links auf dem Grünstreifen neben dem Blumenteppich. Es folgten, ebenfalls nach dem Alter gestaffelt, die Schulmädchen mit ihren Betreuerinnen. Dann kamen die Burschen mit ihren Fahnen, und die Vereine, die gleichfalls ihre Fahnen mitführten. Dahinter liefen singend und betend die verheirateten Männer. Die Marienmädchen schlossen sich an, die schon unmittelbar vor dem Himmel gingen. Direkt vor dem Himmel, er wurde getragen von vier Geschworenen, daneben marschierten die Windlichtträger, ging der Kaplan mit dem Weihrauchfass, umgeben von den »klinzelnden« Ministranten. Unter dem Baldachin schritt der Pfarrer mit der Monstranz, der als Erster den Blumenteppich betreten durfte. Dahinter gingen die Honoratioren der Gemeinde, die schon über den Blumenteppich laufen durften. Am Ende des Zuges liefen die verheirateten Frauen in ihren schönen Trachten. Immer wieder wurden bekannte Namen eingeblendet.

»Fronleichnam, für uns, die wir es noch erleben durften, etwas Einzigartiges. Die Glocken läuteten. Man hörte singende Männer-, Frauen- und Kinderstimmen, dann spielte wieder die »Musi«, »klinzelnten« die Ministranten. Vor dem Himmel schwebte eine Weihrauchwolke, schwere Fahnen wurden von stämmigen Burschen getragen. Kongregationsmädl trugen eine Marienstatue auf ihren Schultern, von der viele weiße Bände in die Hände der seitlich schreitenden Jungfrauen liefen. Die Mädchen waren in weiß oder hellen Farben gekleidet mit hoch, unterm Jupperl gebundenen, tausendfaltigen, glockenhaften Kitteln, ein Taschentuch, ein Gebetbuch und eine Betten in der Hand, das Haar kunstvoll in Nestform gebannt und überall Blumenduft und gleißendes Sonnenlicht«, so beschrieben von Jakob Bechtold.

Angesichts der Bearbeitung dieses wertvollen Dokuments verbleibt der Budakesser Gemeinschaft Andreas Ritter ein herzliches Dankeschön auszusprechen für das »zum Laufen« gebrachte Video und die großartige Bearbeitung dieses Filmdokumentes, in Form von Ton, Farbe, Effekten, namentlicher Kennzeichnung der Personen und die Dokumentation der historischen Ereignisse. Ein Dankeschön Annamaria von Staden-Holl und Anton Deberle für die Beratung und Textgestaltung des Filmes.

Rosina Schmalzhaf

 

 

                                                   

                                                                                        

                                                                    

  

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