
Budakeszi
gedachte der Vertreibung

Aufgrund einer Initiative der
Mitglieder des Traditionsbewahrungsvereins Budakeszi fand anno 2005 erstmals ein
Gedenkgottesdienst an die Vertreibung in Form einer Lichtermesse statt. 2006 lag
dieses finstere Kapitel der Nachkriegszeit 60 Jahre zurück, Anlass und Anliegen
für Budakeszis damaligen Bürgermeister Farkas Gyula an das Drama der Vertreibung
der rund 4.000 Budakesser zu erinnern und alle in Deutschland und in anderen
Ländern lebenden Landsleute mit ihren Familienangehörigen, Freunden und
Bekannten zum Besuch ihrer alten Heimat einzuladen und dem Geschehen würdig zu
gedenken. Diese historischen Gedächtnistage richteten der
Deutsche Stadtrat Budakeszi und die Stadt Budakeszi vom 16. März bis zum 19.
März 2006 in bewegenden und stilvollen Veranstaltungen aus, die mit der
Einweihung der von unserem Landsmann, dem akademischen Maler und Grafiker Josef
de Ponte (+ 16. Mai 2006) entworfenen Gedenktafel zur Vertreibung beim
Bürgermeisteramt Budakeszi, den anschließenden Kranzniederlegungen, dem Empfang
im Nagy Sándor József Gymnasium und einem ausgezeichneten Mittagessen ihren
Abschluss fanden. Die Märztage des Jahres 1946 sind prägend geblieben.
Lichtermessen und Kranzniederlegungen erinnerten/erinnern
im
61. Jahr und weiter an die Tragödie. In diesem Jahr begrüßte und leitete in das
Gedenken Nagy Mihályné Starcz Terézia, Vorsitzende des
Traditionsbewahrungsvereines Budakeszi, Dirigentin des Frauenchores und Mitglied
des Deutschen Stadtrates Budakeszi ein. Bürgermeister Tagai István, Damen und
Herren des Stadtrates, der Frauenchor, Schüler und Schülerinnen sowie Bürger und
Bürgerinnen waren am 19. März,
um
13 Uhr, gekommen, sich zu erinnern. Die Budakesser
Gemeinschaft war durch ihren
Vorsitzenden Franz Huber mit Gattin vertreten. Mit einem Lied eröffnete der
Frauenchor die Feierlichkeiten und Schülerinnen trugen ein Gedicht vor. Die Rede
unseres Vorsitzenden Franz Huber wurde von Frau Starcz Terézia ins Ungarische
übersetzt. Franz Huber bedankte sich im Namen der
Budakesser Gemeinschaft sehr herzlich bei der
Vorsitzenden des Deutschen Stadtrates Budakeszi Kóthyné dr. Herczeg Mária und
Frau Starcz Terézia als Vertreterin des Vereines für Traditionsbewahrung für die
Einladung zur Gedenkfeier und die Ausrichtung dieser. In seiner Rede zitierte er
den großen ungarischen Romancier und Essayisten György Konrad, welcher mit dem
Franz-Werfel-Menschenrechtspreis 2007 der Stiftung Zentrum gegen Vertreibung
ausgezeichnet wurde: „Die gewaltsame Trennung des Menschen von seinem Wohnort
ist halber Mord. Das Wesentliche ist nicht das Haus, sondern das Leben. Es ist
wahr, dass der Mensch ein Wesen ist, das immer wieder einen Neuanfang macht.
Doch es trifft ebenfalls zu, dass viele zerbrechlicher sind und die
Verstümmelung ihrer lokalen Existenz nur schwer überleben. Der Mensch ist eins
mit seinen unsichtbaren Wurzelfasern. Unser Recht auf den Ort, an dem wir
geboren worden sind, wo wir leben, ist ein fundamentales und unantastbares. Die
Deportation vom Menschen oder die mit Drohungen einhergehende Vertreibung von
ihrem Wohnort ist ein International zu verfolgendes Verbrechen.“ Huber führte
weiter aus: „Die unmenschliche Tragödie nahm ab dem 19. März 1946 ihren Lauf.
Zusammengepresst in Viehwaggons mussten die Menschen das Land verlassen.
Bedeutungslos waren die 250 Jahre geworden, in denen Deutsche zur größten
Zufriedenheit der Regierenden die kolonisatorischen Aufgaben erfüllten und das
durch die Kriege mit den Türken verwüstete und menschenleere Ungarn wieder
besiedelten. Sie kultivierten den Boden, machten ihn urbar. Über Jahrzehnte
wurde mit schwerer knochenharter Arbeit aus Sumpf und Öde die Kornkammer
Österreich-Ungarns geschaffen. Die Donauschwaben, die Tod, Not und schließlich
Brot ernteten, loyale Bürger des Staates waren und friedlich mit den anderen
Völkern zusammenlebten, wurden ihrer Heimat beraubt. Allein aus Budakeszi
mussten von den rund 8500 Einwohnern etwa 3700 Menschen den Verlust ihrer Heimat
und ihres Hab und Gutes beklagen. Die Deportation hinterließ tiefe Wunden.
Manche wurden nie geheilt.“ Huber beendete seine Rede mit den Worten: „Trotz der
traurigen Erinnerungen an die Tage der Vertreibung lieben wir Vertriebenen und
ihre Nachkommen die verlorene Heimat, unser „Wudigeß“ und geben dieser Liebe
immer wieder deutlich Ausdruck. Deshalb möge uns unsere heimatliche
Verbundenheit nie verloren gehen.“ Der Frauenchor erfreute mit einem weiteren
Lied, und die Leiterin des Deutschen
Kindergartens
Kunterbunt
Kerekes Endréné Marika trug ein Gedicht unseres
stellvertretenden Vorsitzenden Josef Pable über unsere Heimatgemeinde Wudigeß
vor. Nach den Kranzniederlegungen erklangen nochmals die melodischen Stimmen des
Frauenchores. In der Bilder-Ausstellung in der
"Széchenyi István" Grund- und Hauptschule wurden die
Vorstellungen der Schüler und Schülerinnen über die Arbeit und das Leben von
damals lebendig und anschaulich dargestellt. Die sehr gut besuchte Lichtermesse
am 21. März in unserer Budakesser Pfarrkirche „Maria Schnee“ mit
Pfarrer: dr. Filó Kristóf beendete den Gedenkzyklus.
Rosina Schmalzhaf