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Ein originelles Lehrstück
für eine „böse Zunge“ „Kein schädlicher Gift als eine böse Zunge“ (Sprichwort)
Es gab und gibt sie auf der ganzen Welt und in allen Sprachen. Menschen, die über andere Personen spotten, diese diffamieren und verächtlich machen. So geschehen auch in unserem beschaulichen Wudigeß. Maria Bresch, unsere Natto Rici, kennt hierzu ein interessantes Ereignis, das ihr ihre Großmutter einst am Abend erzählte. „Kein Tag verging, ohne dass das Klatschweib nicht nach Herzenslust lästerte. Sie wusste immer alles und sorgte dafür, dass auch alle anderen es wussten. Nichts war ihr heilig. Sie war ein echtes Tratschweib. Natürlich bekam dies auch der Herr Pfarrer zu Ohren. Dieser ließ die Frau zu sich kommen, redete ihr ins Gewissen und brachte ihr ihre unschönen Seiten ins Bewusstsein, in dem er ihr verdeutlichte, dass sie über ihre Mitmenschen selbst erfundene üble Geschichten verbreite und sich dabei meist nicht an der Wahrheit orientiere, die Gerüchteküche am Laufen halte und mit ihrem bösartigen und dummen Geschwätz anderen großen Schaden zufüge. Dann wandte er sich mit der Bitte an sie, sein Federbett aus seiner Schlafstube zu holen, es in den Kirchturm zu tragen und, oben angelangt, das Inlett aufzuschneiden und das Deckbett kräftig aus dem offenen Fenster auszuschütteln, so dass die Federn weit flögen. Den leeren Bezug benötige er wieder. Wenn auch ungern, so befolgte sie doch die Anweisungen des Seelsorgers, holte das Federbett, trug es die steilen Holztreppen zum Kirchturm hinauf, öffnete das Fenster, schnitt das Inlett auf und schüttelte, kräftig wie Frau Holle, das Federbett, so dass die Daunen tanzten und weit durch die Lüfte schwebten. Bald darauf konnte sie Herrn Pfarrer vermelden, dass die Aufgabe erfüllt sei und sich die Schweißperlen aus dem Gesicht wischen. Mit ernster Stimme erwiderte der Pfarrer, dass sie nun jede Feder wieder einsammeln und das Federbett so voll füllen solle, wie es war. Sie erblasste bei dem Gedanken an die unerfüllbare Aufgabe, flehte darum, ihr das unmöglich zu Schaffende zu erlassen und Erbarmen mit ihr zu haben. Nachdem der Pfarrer darlegte, dass sich gesagte Worte und Sätze gleichfalls nicht mehr zurückholen lassen, gab er der Frau den Rat, erst zu denken, dann zu reden, erst zu planen, dann zu tun, verzieh ihr und stellte ihr bei Änderung ihres Verhaltens die Akzeptanz der Dorfgemeinschaft in Aussicht. Die Frau begriff ihre Lektion, ihr Fehlverhalten wurde ihr klar und sie schämte sich. Mit einem tiefen Seufzer dankte sie und entschied sich, ihr Benehmen zu ändern.“ Gilt doch die goldene Regel: „Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu.“ Maria
Bresch
und Rosina Schmalzhaf
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