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„Des Ersten Tod, des Zweiten Not, des Dritten Brot“ –
Josef de Ponte - Der Erste hatte den Tod... diese harten Worte, die das karge Leben der ersten Moorbauern in Norddeutschland um 1750 beschreiben, und die unser Landsmann, der akademische Maler, Josef de Ponte, bildlich darstellte, lassen sich auf alle deutschen Siedler im Ofener Bergland, westlich und südwestlich von Budapest, den Siedlungen in der Batschka und im Banat, in Südrussland und im Wolgagebiet übertragen. Nachdem am 12. September 1683, in der Schlacht am Kahlenberg, Wien gerettet, und die Türken besiegt worden waren und am 2. September 1686 Buda von türkischer Herrschaft befreit wurde, konnte die Wiederbesiedelung des verwüsteten und menschenleeren Landes erfolgen. Aus verschiedenen Nationen wurden Leute geworben, am meisten jedoch Deutsche, die zur größten Zufriedenheit die kolonisatorischen Aufgaben erfüllten, das Land kultivierten und urbar machten. Neben mehreren kleineren Schwabenzügen, gab es die drei großen. Mit dem ersten 1722-1726, dem Carolinischen, unter Kaiser Karl VI., kamen 15.000, mit dem Theresianischen, 1763-1772 unter Kaiserin Maria Theresia, 48.000 und dem dritten und letzten, dem Josefinischen, 1782-1786 unter Kaiser Josef II., 45.000 Personen nach Ungarn. Neben Ulm wird Regensburg ein Sammelpunkt der Auswanderer nach Südosteuropa. Hierher kommen die Menschen aus dem Saarland, aus Westfalen, der Pfalz, aus Hessen, Bayern und Franken. Die Kirchenbücher dieser Zeit verzeichnen immense Eheschließungen, denn Heirat ist eine notwendige Voraussetzung für die Zuteilung eines Bauernhofes. Es wurde darauf geachtet, dass die Auswanderer katholisch waren. Das Toleranzedikt Kaiser Josefs II. von 1784 öffnete auch für die evangelische Bevölkerung den Weg nach Ungarn. Wer waren die neuen Siedler? Seinen Feldherren gab der Kaiser große Landgüter. Sucht man nach den Gründen für die Auswanderungen, so ist festzustellen, dass diese im politischen und wirtschaftlichen Bereich lagen. Die Ansiedlungsverträge in ungarischer und deutscher Sprache lockten vor allem mit Vergünstigungen. So wurde in Aussicht gestellt, dass ein Diener der Kirche für das seelische Wohl sorgen sollte. Zu den materiellen Anreizen zählten: zwei Zugochsen, eine Melkkuh und zwölf Wecken Samenkorn für jeden neuen Wahlungarn. Bauern erhielten eine zehnjährige Steuerfreiheit, Handwerker gar fünfzehn Jahre. Die großen Versprechungen lockten daher zahlreiche deutsche Leibeigene nach Ungarn, die sich jedoch zunächst von ihren Herren freikaufen mussten. Sie alle wurden unter der Bezeichnung "Donauschwaben" zusammengefasst, obwohl sie Pfälzer, Bayern, Franken oder Lothringer waren. Die deutschen Auswanderer des 18. Jahrhunderts kamen gern, da ihr Land vergleichsweise überbevölkert war, und die Steuerforderungen wegen der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen sehr hoch waren. In der Hoffnung einer strahlenden Zukunft bestiegen sie die Schiffe an der Donau. Von Regensburg aus dauerte die kostenlose Fahrt nur sechs Tage. Als Reisegeld erhielten sie einen Gulden in die Hand. Die Heiratsurkunde musste als Fahrschein vorgewiesen werden. Die über Jahrzehnte dauernde schwere, knochenharte Arbeit der Siedler schuf aus Sumpf und Öde die Kornkammer Österreich-Ungarns. Friedlich lebten die Donauschwaben in ihren Wohngebieten mit den anderen Völkern zusammen. Durch ihr Können, Streben und ihren Fleiß waren sie immer ein Vorbild. Im Jahre 1940 zählte Budakeszi gemäß amtlichen Angaben 8.165 Einwohner. Die Gemeinde war damals zu 95% deutschstämmig, somit lebten seinerzeit etwa 7.770 Menschen deutscher Abstammung dort. Auf der Potsdamer Konferenz vom 17.7.1945 - 2.8.1945 haben die alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges USA, Sowjetunion und Großbritannien die ordnungsgemäße Überführung deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn beschlossen. Mit ihrem christlichen Glauben als Fundament, das ihrem Leben immer Halt gegeben hat, traten viele der Vertriebenen den dunklen, schweren Weg in eine ungewisse Zukunft an. So rollten in der Zeit vom 19. März bis 25. März 1946 vier Transporte mit je ca. 1.000 Budakessern vom Bahnhof Biatorbágy/Wihall in Richtung Deutschland. Nach rund zehn Tagen Eisenbahnfahrt trafen die Transporte nacheinander in der damaligen amerikanischen Besatzungszone ein. Die Ankunftsorte der Transporte waren: 1.Transport: Waiblingen bei Stuttgart - Ankunft: Ende März 1946, 2.Transport: Siegelsbach, RNK - Ankunft: Ende März 1946, 3.Transport: Lager Kisslau (Bad Schönborn/Mingolsheim) – Ankunft: 01. April 1946, 4.Transport: Neckarzimmern - Ankunft: 1. April 1946. Für das hungernde, zerbombte, zerstückelte Deutschland bedeutete die Aufnahme von Millionen verzweifelter Menschen eine kolossale Belastung. Die sozialen Verhältnisse der Gemeinden wurden von solchem Zuzug schwer belastet, denn die Vertriebenen waren bei ihrer Ankunft natürlich obdachlos und arm, in allem hilfsbedürftig und in einer fremden Umwelt. Die katholische Bevölkerung erfuhr eine starke Zunahme. Die erste Sorge galt jedoch der Beschaffung von Wohnraum. Die einheimischen Familien mussten zusammenrücken. Ebenso wichtig war es, die Vertriebenen in Arbeit und Verdienst zu bringen, um ihnen damit die wirtschaftliche Grundlage für eine neue Existenz zu bieten. Sie erhielten zu Ihrem Personalausweis einen Vertriebenenausweis, der sie als solche legitimierte. Es wurde das Lastenausgleichsgesetz geschaffen, das sie in den Personenkreis der Kriegsgeschädigten eingliederte und einen Anspruch auf Abgeltung von Schäden und Verlusten, die durch die Vertreibung entstanden sind, gesetzlich regelte. Das meiste haben die Vertriebenen bei ihrem Neuanfang jedoch aus eigener Kraft schaffen müssen. Dabei hatten es die älteren Landsleute unstreitig am schwersten - sie blieben oft auf Dauer entwurzelt und heimatlos, für sie brach eine Welt zusammen. Ebenso hat der mittleren Generation der Neubeginn unsagbar viel Kraft und Schweiß abverlangt. Am leichtesten fanden die jungen Leute ihren Weg; der für sie jedoch gleichfalls steinig war. Viele wanderten aus und versuchten ihr Glück in den USA oder in Kanada. Als Fazit kann festgehalten werden: Die Vertriebenen haben sich mit harter Arbeit eine neue Lebensgrundlage geschaffen und enorm dazu beigetragen, Deutschland wieder aufzubauen. Insgesamt hatten sie es ungleich schwerer als die Alteingesessenen. Ab 1950 begann langsam die Zeit des Wirtschaftswachstums und die späten 50er Jahre brachten Vollbeschäftigung und das Wirtschaftswunder. Wurden die Vertriebenen in der ersten Zeit oft als Belastung empfunden, geschimpft, gekränkt und gehänselt, so sind sie heute voll integriert ohne das Muss zur Aufgabe der mitgebrachten kulturellen Identität. Einheimische und Vertriebene lernten sich kennen, legten Vorurteile ab, fanden zueinander. Ehen zwischen ihnen wurden zu einer guten Selbstverständlichkeit. Trotz der traurigen Erinnerungen an die Tage der Vertreibung lieben die Vertriebenen die verlorene Heimat und geben dieser Liebe immer wieder deutlich Ausdruck. Daher herrschte am 1. Mai 2004 große Freude über die Aufnahme Ungarns in die EU. Ungarn – Budakeszi ist uns wieder ein Stück näher gekommen. Wir haben seit dem Kriegsende viel Glück erfahren, 60 Jahre in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Weder unsere Väter, Großväter, noch Urgroßväter hatten solchen Segen. Bewahren wir uns dieses Glück.
Rosina Schmalzhaf
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